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Die Auster (Ostrea edulis)

 

Austern sind ein Mythos. Man sagt ihnen aphrodisische Wirkung nach. Selbst Casanova hat einmal geschrieben, dass mindestens 50 Austern, mit dem eigenen Saft geschlürft, die Manneskraft stärkten. Austern sind auch sehr gesund. Sie enthalten alle wichtigen Nährstoffe, Vitamine (A, B1 und B2), sowie Mineralien, wie Calcium, Magnesium, Zink, Eisen, Jodid und Phosphor.

Über ihre gesundheitliche Wirkung hinaus gelten Austern als eine Delikatesse der Reichen und Schönen.

Eine europäische Auster produziert im Jahr zwischen 600.000 bis 3 Millionen Eier.

Die Entwicklung der europäischen Auster.

Einige Wochen lang schwimmen die Larven mit dem Plankton im Meer. Aus dem befruchteten Ei entsteht zunächst ein bewimpertes Larvenstadium, das man als Trochophora bezeichnet (Wimperträger). Nach der ersten Metamorphose verwandelt sich die Trochophora-Larve in ein Larvenstadium, das zwei bewimperte segelförmige Anhänge besitzt, und das man daher als Veliger bezeichnet (Segelträger). Ebenso, wie die Trochophora-Larve, ist die Veliger-Larve ein planktontisch lebendes Larvenstadium. Nach einer weiteren Metamorphose entsteht die zweiklappige Jungmuschel. Diese heftet sich mit ihren Byssusfäden an einen geeigneten Felsen und klebt ihre Schale mit einem selbst hergestellten Kitt fest. Im weiteren Verlauf ihres Lebens verlässt die Auster ihren Platz nicht mehr. Anders, als andere Muscheln, die sich durch ihre Byssusfäden fortbewegen können, verbleibt die Auster an ihrem Platz.


Bild: Peter Dyrynda.
 

Muscheln ernähren sich, indem sie Plankton aus dem Atemwasser filtern. Dadurch sammeln sie aber auch viele Schadstoffe an, die sich im Meerwasser befinden, beispielsweise Schwermetalle, die von der küstennahen Industrie ins Meer geleitet worden sind. Austern können besonders Kupfer und Zink enthalten - bis zu 20000 ppm Kupfer und bis zu 60000 ppm Zink. Zwar bedeutet die Anreicherung von Kupfer in Austern für den Menschen keine Gefahr, da sich der Geschmack der Austern deutlich verändert, und das Fleisch oftmals auch die Farbe ändert.

Eine größere Gefahr bedeutet vermutlich die Verseuchung von Austern und anderen Muscheln durch Mikroorganismen. Da man Austern am liebsten roh verzehrt und nicht kocht oder brät, wie andere Muscheln, läuft man Gefahr, sich an Bakterien, die in Austern und anderen Muscheln leben, lebensgefährliche Infektionen zuzuziehen.

 
Quelle: "Le jardinier de la mer".
 
 
Quelle: Ostréiculture à Cancale.

Als Meeresfrüchte ("fruits de mer") sind Austern für den Menschen zu einer wichtigen Muschel geworden. Die natürlichen Austernbänke sind durch Überfischung durch den Menschen, die Belastung des Meeres und Krankheiten (Muschelpest) nahezu verschwunden. Nach dem strengen Winter 1920/21 fand man nahezu keine lebenden Europäischen Austern mehr. In den 80er Jahren wurden auf Kulturflächen an der Küste von Sylt Pazifische Austern (Crassostrea gigantea) eingeführt, die sich als wuchs- und verbreitungsfreudiger als die Europäischen Austern erwiesen haben. Teilweise haben die Pazifischen Austern die einheimischen Europäischen Austern auch verdrängt, indem sie die Muschelbänke überwuchsen.

Austern sind nicht nur Nahrungsmittel. Wie viele Muschelarten wehren sie Parasiten und andere Fremdkörper ab, indem sie sie mit einer Schicht Perlmutt umgeben. Das ist die innerste Schicht der Muschelschale. Perlmutt wird von Drüsen im Mantel produziert. Die Muschel wehrt sich gegen einen Eindringling und produziert – eine Perle.

Auch Perlen produzierende Muscheln werden vom Menschen gezüchtet, da diese Muscheln in der Natur sehr selten geworden sind. Zum Beispiel in Japan werden Perlmuscheln genauso auf Aquakulturen gehalten, wie essbare Muscheln. Ihnen werden künstlich Sandkörner eingepflanzt, aus denen sie dann Perlen machen. Die Perlen können anschließend geerntet werden, ohne dass die Muschel getötet werden muss.

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