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![]() Ein kriechendes, grau gefärbtes Exemplar des schwarzen Schnegels (Limax cinereoniger) am Wilhelminenberg in Wien. Gut erkennbar: Rückenkiel und weißer Rückenstrich. [RN] |
Unter den Schnegeln (Limacidae) finden sich die größten bekannten, an Land lebenden Nacktschnecken. An Gestalt und Farbe von den wenig geliebten Wegschnecken verschieden, zeichnen sich die großen, auch als Egelschnecken bezeichneten Nacktschnecken auch durch ein eigenes Verhaltensrepertoire aus, wie man besonders am Ablauf der Paarung vieler Schnegel erkennen kann.
Im Gegensatz zu den viel kleineren Ackerschnegeln (Agriolimacidae) sind die großen Schnegel aber für die Land- und Gartenwirtschaft relativ ungefährlich, also kaum als Schädling zu betrachten.
Die beiden bekanntesten Arten der Schnegel sind der große oder Tigerschnegel (Limax maximus) und der aschgraue bzw. schwarze Schnegel (Limax cinereoniger). Anders, als die Namen vermuten ließen, wird interessanterweise der schwarze Schnegel im Allgemeinen deutlich größer (bis über 20 cm), als der Tigerschnegel (im Allgemeinen unter 15 cm, obwohl sich die Meinungen da scheiden).
![]() Im Gegensatz zum Tigerschnegel ist der schwarze Schnegel ein Waldbewohner, der Kulturlandschaften eher meidet. [RN] |
Unterscheidung der großen Schnegel
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Während der Tigerschnegel, wie der Name schon sagt, oftmals durch eine gestreifte und gefleckte Tigerzeichnung zu erkennen ist, ist der schwarze Schnegel keineswegs immer schwarz. Im Gegenteil existieren helle Farbvarianten, die beinahe hellgrau sind. Erkennbar bleibt aber beim schwarzen Schnegel meist der weiße Rückenstrich. Unterscheiden lassen sich beide Arten vor allem auch durch die Farbe der Fußsohlen: Während diese bei Limax maximus einfarbig hell gefärbt ist, ist auch die Fußsohle eines hellfarbigen Limax cinereoniger nur in der Mitte hell, die Außenränder sind dunkel gefärbt.
Fußsohle von Limax cinereoniger: Abbildung von Clemens M.
Brandstetter.
Von der Färbung her ist auch eine in den Karpaten und angrenzenden Gebirgen heimische Schnegelart sehr interessant: Bielzia coerulans ist nämlich blau gefärbt! Diese Art kommt aber weder in Deutschland, noch in Österreich vor, wohl aber in der Hohen Tatra der Slowakei und Tschechiens, sowie in den weiter östlich liegenden Karpatenländern bis in die Ukraine.
Systematisch wird Bielzia allein in einer separaten Unterfamilie, Limacopsinae Gerhardt 1936, platziert (siehe Mollbase).
Bielzia
coerulans auf biolib.cz.
![]() Im Gegensatz zu seinen großen Verwandten wird der Baum- schnegel (Lehmannia marginata) nur etwa 75 mm lang. [RN] |
Viel kleiner als diese großen Schnegelarten sind beispielsweise der Bierschnegel (Limacus flavus), der seinen Namen daher hat, dass er als Kulturfolger häufig in Bierkellern anzutreffen ist, wo er vom ausgelaufenen Bier angelockt wird, der Pilzschnegel (Malacolimax tenellus), der sich vorwiegend von Algen, Flechten und Pilzen ernährt, sowie der Baumschnegel (Lehmannia marginata), der, auf Algen und Flechten als Nahrung spezialisiert, vorwiegend auf Bäumen anzutreffen ist.
Bierschnegel
nach 90 Jahren wieder entdeckt (NABU).
Unterscheidung von anderen
Nacktschnecken
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Während sich bei den Wegschnecken (Arionidae) die Schale fast völlig (zu einigen Kalkkörnern im Mantel) zurückgebildet hat, besitzen die Schnegel, ähnlich wie die Tintenfische unter den Kopffüßern, immer noch einen rudimentären inneren Schalenrest unter dem Mantelschild. Dies ist ein Beweis dafür, dass auch die Nacktschnecken sich aus gehäusetragenden Vorfahren entwickelt haben, wie man heute noch z.B. bei den Glasschnecken (Vitrinidae) und Rucksackschnecken (Testacellidae) erkennen kann.
Weichtier des Jahres 2005: Der Tigerschnegel Limax maximus Linnaeus
1758 (mit einer Abbildung der rudimentären inneren Schale).
![]() Schwarzer Schnegel (Limax cinereoniger, im Vordergrund) und Wegschnecke (Arion cf. lusitanicus) |
Äußerlich unterscheidet neben der schlankeren Körperform vor allem der deutliche Rückenkiel die Schnegel von den in der Größenordnung vergleichbaren Wegschnecken. Dieser ist vor allem dann erkennbar, wenn ein Schnegel sich in Schutzhaltung zusammenzieht. Im Englischen werden die Schnegel auch als 'keel back slugs' (Rückenkiel-Nacktschnecken), die Wegschnecken als 'roundback-slugs' (Rundrücken-Nacktschnecken) bezeichnet. Dies ist jedoch insofern irreführend, als die Schnegel keineswegs die einzigen Nacktschnecken sind, die einen deutlichen Rückenkiel aufweisen: Im Gegenteil ist dieser bei den Kielschnegeln (Milacidae) noch deutlicher ausgeprägt: Bei den Schnegeln nur das hintere Ende des Rückens, bei den Kielschnegeln der gesamte Rücken bis zum Mantelschild.
![]() Bei den Schnegeln (hier: Limax maximus) befindet sich das Atemloch in der hinteren Hälfte des Mantelschildes. [RN] |
Ein leicht sichtbares äußeres Unterscheidungsmerkmal zwischen Wegschnecken und Schnegeln ist außerdem das Atemloch, das sich bei den Schnegeln immer in der hinteren Hälfte des Mantelschildes befindet, bei den Wegschnecken aber vorne.
Heimische
Nacktschnecken: Wegschnecken und Schnegel im Vergleich.
In besonderer Weise zeichnen sich die Schnegel von anderen Schneckenarten durch den außergewöhnlichen Ablauf ihrer Paarung aus. Von Limax maximus ist zum Beispiel bekannt, dass sich die Art herabhängend an einem selbst gebildeten 'Bungjee-Seil' aus Schleim paart. Limax cinereoniger verlässt sich da zwar eher auf die eigene Sohlenhaftung, aber auch er paart sich herabhängend von einer Mauer oder einem Baum.
Die Paarung des Tigerschnegels: Limax
maximus.
Der Tigerschnegel (Limax maximus) wurde aus seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet auch in Nord- und Südamerika, auf Hawaii, sowie in Australien und Neuseeland eingeschleppt. Dort zählt er zu den Faunenfremdlingen (Neozoen) und wird teilweise als Gartenschädling betrachtet. Hingegen ist Limax maximus in Mitteleuropa praktisch nicht als Schädling zu betrachten. Im Gegenteil reduziert er möglicherweise die Zahl schädlicher Nacktschnecken, wie Arion vulgaris.
![]() Die Ackerschnecke(Deroceras reticulatum, Agriolimacidae), gehört mit den Schnegeln zur Überfamilie Limacoidea. [RN] |
Es ist nicht genau bekannt, wie viele Arten es in der Familie Limacidae genau gibt: Man
geht zwar von etwa 100 Arten in der westlichen Paläarktis (
siehe Faunenprovinzen)
aus (vgl. Fechter, Falkner:
"Weichtiere", 1990), jedoch werden auch gegenwärtig dauernd neue Arten entdeckt
und diskutiert. Interessante Forschungsgebiete sind neben Korsika und den Alpen
auch die südeuropäischen Gebirge. Ein Forschungsschwerpunkt liegt zurzeit in
Italien.
In der Literatur erscheinen die Schnegel mit mehreren Erstautoren: Neben der Ersterwähnung der Limacidae Lamarck 1801 (wie in der i. A. systematisch maßgeblichen Checklist of European Continental Mollusca, Clecom, aufgeführt) findet man heute vor allem die Limacidae Gray 1824 nach amerikanischem, bzw. kanadischem Verständnis (z.B. Forsyth, R.G., 2004) und die ältere, somit prinzipiell gültige Erwähnung der Limacidae Rafinesque 1815, beispielsweise laut der Nomenklaturliste Mollbase der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft.
In dieser Nomenklaturliste wird auch von B. Hausdorf der Vorschlag gemacht, die Limaciden mit den verwandten Familien der Ackerschnecken (Agriolimacidae H. Wagner 1935) und der Wurmnacktschnecken (Boettgerillidae van Goethem 1972) zu einer Überfamilie, den Limacoidea Rafinesque 1815 zusammen zu fassen.
Allerdings ist der Status dieser Überfamilie noch nicht gesichert, zumal es auch einen anderen Vorschlag gibt, eine Überfamilie der Limacoidea s.l. unter Einbeziehung "aller limacoiden und zonitoiden Gruppen, wie sie von H.B. Baker (1941) vorgeschlagen und begründet wurde" zu bilden. Für diese Variante steht die "Rekonstruktion der Phylogenese und eine Revision des Systems" allerdings noch aus.
Klar festzustellen ist aber auch, dass die Ackerschnecken (Agriolimacidae), wie z. B. die Gattung Deroceras, eine eigene Familie (vgl. Likharev & Wiktor 1980: 409-488) bilden und nicht zu den Limacidae zu zählen sind, sondern nur mit diesen zu einer gemeinsamen Überfamilie gehören.
Vollständige Artenliste für Österreich:
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Quelle:
Clecom, Stand
Juni 2008)
Limacidae Lamarck, 1801
Limacinae Lamarck, 1801
Limax Linnaeus, 1758
Limax maximus Linnaeus, 1758
Limax cinereoniger Wolf, 1803
Limax albipes Dumont & Mortillet, 1853 (verschollen)Limacus Lehmann, 1864
Limacus flavus (Linnaeus, 1758)
Malacolimax Malm, 1868
Malacolimax tenellus (O.F. Müller, 1774)
Malacolimax kostalii Babor, 1900Lehmannia Heynemann, 1863
Lehmannia marginata (O.F. Müller, 1774)
Lehmannia rupicola Lessona & Pollonera, 1882
Lehmannia janetscheki Forcart, 1966