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Der Tigerschnegel (Limax maximus)

Limax maximus Linnaeus 1758
(Stylommatophora, Helicoidei, Limacacea, Limacidae)

Herzlichen Dank an Mica Brugsch für ihre beiden Tigerschnegel, die ich fotografieren durfte!


Der Tigerschnegel (Limax maximus) wird bis zu 13 cm groß.
[RN]

Großaufnahme: Mantelschild und Atemloch eines Tigerschne-
gels. [RN]
 
 
Ein sehr dickes Exemplar von Limax maximus auf einem Fried-
hof. Bild: Mica Brugsch.

Trotz seines wissenschaftlichen Namens, der wörtlich der größte oder sehr großer Schnegel bedeutet, ist Limax maximus, der Tigerschnegel, nicht die größte einheimische Schnegelart. Mit bis zu 13 cm Länge gehört er zwar zu den größten einheimischen Schnecken, wird aber noch deutlich von seinem Verwandten, dem schwarzen Schnegel (Limax cinereoniger), übertroffen.

Schnegel (Limacidae) sind große Nacktschnecken (auch wenn es einige kleinere Arten gibt), die sich von den Wegschnecken (Arionidae) durch ihre länger gestreckte, schlankere Gestalt unterscheiden, die zusätzlich zum weniger gebräuchlichen Namen Egelschnecken geführt hat. Zusätzlich haben Schnegel einen gekielten Schwanz, wobei sich die deutliche Kante des Rückenkiels nicht, wie bei den Kielschnegel (Milacidae) über den ganzen Rücken, sondern höchstens über das letzte Drittel des Rückens zieht. Des weiteren gehören Schnegel entgegen den Wegschnecken zu den Nacktschneckenarten, bei denen sich das Atemloch in der hinteren Hälfte des Mantelschildes befindet. Unter dem Mantelschild befindet sich im Inneren des Körpers ein rudimentärer Schalenrest.

Limax maximus heißt deswegen auch Tigerschnegel, weil er mit einem sehr variablen Muster von hellen und dunklen Streifen und Punkten gezeichnet ist. Da dies trotz dessen Namens auch beim schwarzen Schnegel (Limax cinereoniger) der Fall sein kann, muss zur eindeutigen Unterscheidung die Fußsohle herangezogen werden. Während sie beim schwarzen Schnegel am Rand schwarz und nur in der Mitte hell gefärbt ist, ist sie beim Tigerschnegel einfarbig hell. Zusätzlich ist der Rückenkiel des Tigerschnegels nicht durch einen hellen Streifen hervorgehoben, wodurch man den schwarzen Schnegel auch erkennen kann.

Der Tigerschnegel ist ein Kulturfolger, der neben seinen Habitaten im Wald oftmals auch in Kellern und in Kulturgelände anzutreffen ist. Während seine ursprüngliche Heimat in Süd- und Westeuropa liegt, ist er heute über fast ganz Europa verbreitet und auch vielfach mit Lebensmitteltransporten nach Übersee verschleppt worden. Tigerschnegel leben in unterschiedlichen Lebensräumen von Weichholz-Auenwäldern bis hin zu siedlungsnahen Kulturlandschaften, zum Beispiel Feldgehölzen, Hecken und Gebüschen, aber auch Parkanlagen und innerstädtischen Grünanlagen, sowie in Industriebrachlandschaften. Schon Hermann Löns hat berichtet, dass der Tigerschnegel auch feuchte Keller, Gebäude und Scheunen aufsucht.


Tigerschnegel (Limax maximus). [RN]
 

Während Tigerschnegel vorwiegend nachtaktiv sind, sind sie bei feuchtwarmer und bedeckter Wetterlage auch tags anzutreffen. Während sie üblicherweise unter hohl liegenden Steinen, Schutt, Totholz wie Baumstümpfen und Brettern, sowie in dunklen Mauerritzen ruhen, kommen sie dann heraus, um an Pilzen, welken Pflanzen und am Algenbewuchs der Bäume zu fressen. Limax maximus ernährt sich bedingt räuberisch und macht vor Aas und auch vor anderen Nacktschnecken und deren Gelegen nicht halt. Teilweise hat man auch schon beobachten können, dass Schnegel zum Rückgang der schädlichen Wegschneckenpopulationen geführt haben. Obwohl also Limax maximus sehr wohl auch an Kulturpflanzen frisst, empfiehlt es sich, ihn nicht als Schädling zu betrachten, zu dem er nur bei starker Überbevölkerung wird.

 
Paarung des Tigerschnegels (Limax maximus). Bild: Wikipedia.

Besonders interessant zu schildern ist die Paarung des Tigerschnegels, die im Frühsommer in der Nacht stattfindet und auch schon Eingang in Naturfilme wie David Attenboroughs "Das Leben im Verborgenen" (im Original "Life in the Undergrowth") gefunden hat.

Zwei Schnegel, die in Paarungsbereitschaft sind, kriechen hintereinander her, wobei der hintere Schnegel fast an der Schwanzspitze seines Partners kriecht. Beide kriechen auf einen Baum oder ein überhängendes Mauerstück. Von dort seilen sie sich an einem etwa 40 cm langen Schleimfaden ab.

Frei in der Luft hängend paaren sie sich nun, indem sie die fast körperlangen Penes ausfahren und miteinander verknoten. Dabei bilden sie mit den Penes eine artspezifisch charakteristische blumenartige Struktur einige cm unterhalb von einander. Schnegel sind, wie alle Landlungenschnecken (Stylommatophora) Zwitter, also Männchen und Weibchen zugleich. Bei diesem spektakulären Paarungsakt werden die Penes wechselseitig eingeführt und es wird ein Samenpaket, eine Spermatophore, übertragen.

Während der Paarung, aber auch, wenn er anderweitig gereizt wird, zum Beispiel durch Berührung oder durch Besprühen mit Wasser, kann der Schnegel die Seiten des Mantelschildes wie Flügel anheben.


Tigerschnegel mit Jungtier (links neben der Schwanzspitze).
Bild: Mica Brugsch.
 

Nach dem Abschluss der Paarung kriecht ein Schnegel an dem Schleimfaden empor und frisst diesen teilweise auf, während der andere sich direkt zu Boden fallen lässt. Dies hat Stephen Berg aus Marly nahe Fribourg in der Schweiz dokumentiert.

Im Gegensatz zu den Wegschnecken ist der Tigerschnegel mehrjährig, er überwintert und kann bis zu zweieinhalb Jahre alt werden. Nach ihrem artistischen Paarungsakt legen Tigerschnegel bis zu 200 große, glasklare Eier, in denen man die Entwicklung der Jungschnecken gut beobachten kann.

 
Junger Tigerschnegel,
ca. eine Woche alt.
Bild: Mica Brugsch.

Die frisch geschlüpften jungen Tigerschnegel sind winzig und blass weiß. Erst nach einiger Zeit, etwa eine Woche später, bekommen sie die ersten Streifen und Bänder.

Tigerschnegel sind, wenn man sie im Terrarium hält, sehr gesellige Tiere, was man bei den in der Natur eher solitären Lebensweise kaum vermuten würde. Zwar haben wir im Grunewald (Berlin) manchmal drei Schnegel auf einem Baumstumpf gefunden, aber diese befanden sich kaum in gegenseitiger Nähe. Zudem ist es ja bekannt, dass der Tigerschnegel gelegentliche kannibalische Neigungen zeigt. Im Terrarium hat man aber beobachten können, wie über zehn junge Schnegel gemeinsam unter einem Rindenstück der Platane (Platanus x hispanica) schliefen, in Ketten und in Haufen, manchmal sogar übereinander. Auch unter Steinen kann man oft mehrere, vor allem junge, Schnegel vorfinden. Jungtiere lassen sich sogar manchmal von ihren älteren Artgenossen umher tragen, denen es nichts auszumachen scheint, wenn ein kleiner Schnegel auf ihrem Mantelschild mitreitet.

Das Kuratorium "Weichtier des Jahres" hat 2005 den Tigerschnegel zum Weichtier des Jahres gekürt und ein Informationsblatt zu dieser interessanten Schneckenart herausgegeben.

Ein Zitat aus dieser Veröffentlichung beschreibt den Tigerschnegel sehr gut: "Einerseits haftet gerade den Nacktschnecken ein von den meisten Menschen tief empfundener Makel des Ekelhaften und Schädlichen an; andererseits handelt es sich besonders bei Limax maximus um ein Tier von unbestreitbarer Schönheit und Eleganz mit einem geradezu spektakulären Verhaltensrepertoire.".

Da bleibt nicht mehr viel zu sagen.

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