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Napfschnecken (Patellidae)

Systematische Einordnung:

Klasse Gastropoda
Unterklasse Docoglossa
Ordnung Patellida
Familie Patellidae


Felsenküste am Atlantik: Ein typischer Lebensraum für Napfschnecken.
Quelle: Morris, Currie: Rocky Shore Ecology.
 

In algenreichen Gebieten der meisten Felsenküsten kann man ohne Schwierigkeiten Napfschnecken entdecken. Aufgrund ihrer napfförmigen Schale sind die kleinen Schnecken (die meisten Arten werden nur wenige Zentimeter groß) leicht zu erkennen. Zwar ist die Schale untypisch für die Schnecken, die üblicherweise eine asymmetrische gewundene Schale besitzen, jedoch kann man bei sehr jungen Napfschnecken Überreste der gewundenen Embryonalschale erkennen, die später abgeworfen wird. Die napfähnliche Form der Schale stellt eine Anpassung an den Lebensraum der Napfschnecken, die Gezeitenzone, dar. Napfschnecken, die während der Ebbe trocken fallen, haben meist eine höhere Schale, als weiter unten lebende Napfschnecken. Einerseits bedeutet eine höhere Schale, dass die Napfschnecke mehr Wasser zum Atmen speichern kann, wenn sie trocken fällt, die flacheren Schalen weiter unten lebender Napfschnecken setzen andererseits der Brandung nicht so großen Widerstand entgegen.

Napfschnecken sind Weidegänger. Sie raspeln mit ihre Radula den Algenbewuchs des Felsens ab, auf dem sie leben. Ihre Schleimspur, auf der sie sich fortbewegen, dient ihnen dabei zur Orientierung, so dass die selben Bereiche nicht  mehrfach aufgesucht werden. Zusätzlich unterstützt der Schleim der Napfschnecke den Bewuchs des Felsen mit neuen Algen, so dass die Napfschnecke auch gleich für Nahrungsnachschub sorgt.

 
Napfschnecke an ihrem angestammten Lagerplatz.
Quelle: Morris, Currie: Rocky Shore Ecology.

Napfschnecken verteidigen ihre Weideplätze gegen Artgenossen, indem sie versuchen diese durch Rammen mit der Schale zu vertreiben. Konkurrierende Seepocken und Miesmuscheln werden mit dem Schalenrand wie mit einem Bulldozer abgeräumt.

Die Schale dient der Napfschnecke auch zu ihrer Verteidigung gegen Wellhornschnecken, die versuchen, die Schale ihrer Beute anzubohren. Die Napfschnecke versucht, sich des Feindes zu erwehren, indem sie den Fuß der Wellhornschnecke mit der Schalenkante einklemmt. Wer schon einmal versucht hat, eine Napfschnecke ohne Hilfsmittel vom Untergrund zu lösen, gewinnt eine Vorstellung davon, welche Kraft die kleinen Schnecken aufwenden können.

Mit einsetzender Ebbe kehren die Napfschnecken an ihren Lagerplatz zurück. Die Lagerplätze von Napfschnecken erkennt man an den runden Schalenspuren, die von der Napfschnecke durch Drehen der Schale in den Untergrund eingegraben werden. Wenn die Napfschnecke ihren angestammten Lagerplatz aufsucht, kann sie sich durch den bereits vorhandenen Schaleneindruck besonders dicht am Felsen festhalten.

Fühler Fühler Mantel mit Kiemen Mantel mit Kiemen Fuß
Ventralansicht einer Napfschnecke (Patella vulgata).
Photo: Erling Svensen, mit freundlicher Genehmigung.
Der Mauszeiger zeigt Informationen zu den Körperteilen.
 

Betrachtet man die Unterseite einer Napfschnecke, so erkennt man als erstes den großen, kreisrunden Saugfuß.

Am Vorderende der Napfschnecke befindet sich ihr Kopf mit zwei Tentakeln. Der größte Teil der Schaleninnenseite wird vom Mantel bedeckt, dessen Rand mit weiteren kleineren Tentakeln versehen ist, die der Napfschnecke eine Orientierung zur Seite ermöglichen.

Zwischen Mantel und Fuß befindet sich die Mantelrinne, in der sich die Kiemen befinden. Im Gegensatz zu anderen Schnecken haben Napfschnecken keine Kammkiemen, sondern zahlreiche Kiemenfäden, die in der Mantelrinne hintereinander angeordnet sind. Ähnlich, wie bei den Käferschnecken stellt dies eine Anpassung an die schlechte Sauerstoffversorgung dar, wenn sich die Napfschnecke eng an den Felsen passt.

 
Radula der Napfschnecke Patella rustica.
Bild: Universität Salzburg, mit freundlicher
Genehmigung.

Obwohl die Vielzahl ihrer Kiemenfäden ein abgeleitetes Merkmal ist, sind Napfschnecken die urtümlichsten rezenten Schnecken. Das erkennt man vor allem an dem Aufbau ihrer Radula, den man als docogloss bezeichnet. Der erste Teil des Wortes bedeutet "Balken" 1). , der zweite "Zunge": Die Radula der Napfschnecken besteht aus einem starren, unbiegsamen Band mit wenigen Randzähnen und gehärteten Zwischenplatten.

Englisch werden Napfschnecken als limpets bezeichnet. Das ist der Grund für manche Verwechslung, da auch mehrere andere Schneckengruppen als limpets bezeichnet werden, die mit Napfschnecken nicht einmal näher verwandt sind, so z.B. die Schlüssellochschnecken ("keyhole limpets", Fissurellidae). Im Gegensatz zu diesen haben Napfschnecken aber im Lebendzustand niemals das charakteristische Loch in der Schale. Die Schalen toter Napfschnecken werden jedoch vom Wasser, Sand und Kies abgerieben und so können sich manchmal Löcher in der Schalenspitze bilden.

 

1)  Vergleiche auch: Diplodocus, der Doppelbalken-Dinosaurier. Zurück zum Text.