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Das Nervensystem der Schnecken

Abbildung: Nervensystem einer Vorderkiemerschnecke. Quelle: Czihak, Langer, Ziegler: Biologie. (1992)

Das Nervensystem der Schnecken kann man wahrscheinlich als Abstammung von den Strickleiternervensystemen der Gliedertiere (Articulata) erklären. Man geht heute davon aus, dass Weichtiere und Gliedertiere zumindest von gemeinsamen Vorfahren abstammen. Bei primitiven Weichtieren (Tryblidia) erkennt man noch eine deutliche metamere Gliederung des Nervensystems (und anderer Organsysteme).

Das Zentralnervensystem der Schnecken ist in der Nähe des Kopfes (durch die Konzentration von Sinnesorganen am Kopfende der Schnecke) am konzentriertesten. Hier finden sich die wichtigsten Nervenknoten (Ganglien), die über dem Schlund liegenden Oberschlund- oder Cerebralganglien. Von diesen ziehen sich zwei Paar Konnektive in den übrigen Körper. Dies sind zum einen die Pedalkonnektive, die den Fuß innervieren, und zum zweiten die Pleurovisceralkonnektive, die Mantelhöhle und den Eingeweidesack innervieren.

Bei den ursprünglichen Schnecken liegen die Pleurovisceralkonnektive langgestreckt vor. Im Rahmen der Torsion (vgl. Morphologie der Schnecken) werden die Nervenstränge aber überkreuzt, es kommt bei Vorderkiemern zur Streptoneurie (Gekreuztnervigkeit).

Man bezeichnet den Nervenknoten des Eingeweidesackes als Visceralganglion. Im Gegensatz zu den meist paarig vorliegenden übrigen Ganglien liegt dieser Nervenknoten meist unpaarig vor. Die Nervenknoten der Mantelhöhle bezeichnet man als Pleuralganglien, die seitlich liegenden Ganglien als Parietalganglien. Bei primitiven Schnecken existieren zwischen den Nervenknoten noch Querverbindungen, die sogenannten Kommissuren. Bei den höheren Schnecken, vor allem den Lungenschnecken, hat eine weitgehende Konzentration der Ganglien im Schlundbereich stattgefunden, so dass man hier von einem Gehirn sprechen kann.

Die Cerebralganglien sind vor allem Sinneszentren, die Informationen von den Augen, und den Tast- und Lagesinnesorganen (Statocysten) verarbeiten. Neben der Koordination dienen sie auch dem Ortgedächtnis der Schnecke. Die Pedalganglien sind im Wesentlichen für die Bewegungskoordination und den Ablauf der Bewegung zuständig. Im Gegensatz dazu innervieren die Pleuralganglien vor allem den Mantel, die Parietalganglien die Mantelhöhle, Kieme und die Haut. Das Visceralganglion innerviert Pallialorgan und Eingeweide. Am Schlundkopf kann außerdem ein besonderes Bukkalganglion entwickelt sein.