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Schlammschnecken (Lymnaeidae)

Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis)
Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis). [RN]
 

Systematische Einordnung der Schlammschnecken (Lymnaeidae) auf Mollbase.

Die Schlammschnecken (Lymnaeidae) sind eine in heimischen Gewässern sehr häufige Schneckenfamilie. Auch in zahlreichen Gartenteichen und Aquarien kommen die großen Wasserschnecken vor, wo sie vor allem mit Wasserpflanzen eingeschleppt, in zunehmendem Maße jedoch auch absichtlich eingesetzt werden.

Schlammschnecken können eine Gehäusegröße von bis zu 7 cm groß erreichen. Damit sind sie deutlich größer als die Weinbergschnecke (Helix pomatia), unsere größte einheimische landlebende Gehäuseschnecke.

Ähnlich, wie Frösche können auch die Schlammschnecken einen gewissen Teil ihres Sauerstoffbedarfs über Hautatmung stillen. Obwohl sie im Wasser leben, atmen Schlammschnecken jedoch, ebenso, wie die Weinbergschnecke, mit Lungen; zum Atmen müssen sie also an die Oberfläche kommen. An einem Schleimband können sie dabei auch rücklings auf der Unterseite der Wasseroberfläche kriechen.

  Schlammschnecke (Lymnaea stagnalis)
Eine Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis). [RN]

Systematisch gehören Schlammschnecken zu den Wasserlungenschnecken (Basommatophora). Von den Landlungenschnecken (Stylommatophora) sind diese dadurch zu unterscheiden, dass sie nur zwei, anstatt vier, Fühler besitzen, die bei den Schlammschnecken zudem lappenartig verbreitert sind und fast wie Ohren aussehen. Die Augen befinden sich an der Basis dieser beiden Fühler, daher auch der systematische Name Basommatophora (Grundäugler).

Eipaket einer Schlammschnecke  

Wie die Weinbergschnecke sind auch die Schlammschnecken Zwitter. Im Gegensatz zu dieser haben sie jedoch getrennte weibliche und männliche Geschlechtsöffnungen, so dass die Begattung nur jeweils in einer Richtung stattfinden kann. Die charakteristischen Eipakete der Schlammschnecken (Bild links) werden an Wasserpflanzen und Steinen angeheftet.

In Populationen mit geringer Kopfzahl, z.B. nach der Neubesiedlung eines Gewässers, können Schlammschnecken auch Selbstbefruchtung betreiben. Diese dient nur der reinen Vermehrung. Zur Vermischung der Gene ist jedoch eine herkömmliche geschlechtliche Fortpflanzung unter den Schnecken notwendig.

Schlammschnecken sind auch für Forschungen im Bereich der Genetik verwendet worden. Am Beispiel der Gemeinen Schlammschnecke (Radix labiata, damals Lymnaea peregra) hat der amerikanische Genetiker Alfred Henry Sturtevant (1891-1970) bewiesen, wie die Windungsrichtung der Schneckenschale vererbt wird.

Auf einem Schleimband können Schlammschnecken auch an der Unterseite der Wasseroberfläche kriechen, um dort nach Nahrung zu suchen oder sich einfach von einem Ort zum nächsten zu bewegen.

Schlammschnecke (Lymnaea stagnalis)   Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis)   Schlammschnecke (Lymnaea stagnalis)
Eine Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis) kriecht auf der Unterseite der Wasseroberfläche an einem Schleimband. [RN]
     

Heimische Schlammschnecken:

  Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis)
Eine mit Wasserpflanzen getarnte eiförmige Schlammschnecke
(Radix balthica). [RN]
Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis):
Gehäusehöhe 4,5 - 6 cm, Riesenformen bis zu 7 cm groß, in Abhängigkeit von der Umwelt in Uferzonen aber auch erheblich kleinere Formen. Vorkommen in pflanzenreichen stehenden Gewässern und Flußauen, kommt in ganz Europa ausgenommen des Südens der Mittelmeerinseln vor.

Gemeine Schlammschnecke (Radix labiata):
Länglich eiförmig mit geraden Seitenlinien. Gewinde kegelförmig erhoben. Ziemlich festschalig, dunkel hornfarben bis braun, meist mit braunschwarzem Belag. Stehende oder langsam fließende Gewässer, oft kalkarme Kleingewässer. Übersteht Austrocknung ihres Gewässers wesentlich besser, als andere Radix-Arten. Ganz Europa einschließlich des hohen Nordens und Westasien.

Bezüglich der systematischen Bezeichnung vgl.: Species: Radix labiata auf Mollbase.

Ohrschlammschnecke (Radix auricularia):
Letzter Umgang aufgeblasen und ohrförmig erweitert. Gehäusehöhe bis zu 35 mm. Vorkommen in pflanzenreichen Seen, Altwässern und ruhigen Strombuchten in Europa einschließlich der Mittelmeerländer (außer Sizilien und Peloponnes), in Vorder- und Nordasien.
 

Eiförmige Schlammschnecke (Radix balthica):
Viel kleiner als die ohrförmige Schlammschnecke, Windungen bauchiger, weniger aufgeblähte Endwindung. Vorkommen in kalkreichen Gewässern (Bäche, Flüsse und Seen) in ganz Europa, außer Südspanien und dem Peloponnes.

Bezüglich der systematischen Bezeichnung vgl.: Species: Radix balthica auf Mollbase.

Kleine Schlammschnecke (Galba truncatula):
Sehr kleine Schnecke, deren Umgänge stufenförmig gegeneinander abgesetzt sind. Üblicherweise etwa 6 - 8 mm groß, allerdings existieren Zwerg- und Riesenformen zwischen 3 und 15 mm. Die kleine Schlammschnecke ist der Zwischenwirt des großen Leberegels (Fasciola hepatica) und wird daher auch als Leberegelschnecke bezeichnet.

Vollständige Artenliste für Österreich:
Quelle: Clecom, Stand Jänner 2008)

Lymnaeidae Rafinesque, 1815

Lymnaeinae Rafinesque, 1815

Galba Schrank, 1803

Galba truncatula (O.F. Müller, 1774)

Stagnicola Jeffreys, 1830

Stagnicola turricula (Held, 1836)
Stagnicola fuscus (C. Pfeiffer, 1821)
Stagnicola corvus (Gmelin, 1791)

Radix Montfort, 1810

Radix auricularia auricularia (Linnaeus, 1758)
Radix labiata (Rossmässler, 1835)
Radix balthica (Linnaeus, 1758)
Radix lagotis (Schrank, 1803)
Radix ampla (W. Hartmann, 1821)

Lymnaea Lamarck, 1799

Lymnaea stagnalis (Linnaeus, 1758)

Pseudosuccinea F.C. Baker, 1908

Pseudosuccinea columella (Say, 1817)

Weiterführende Informationen: