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Polyplacophora Gray 1821
(Loricata Schumacher
1817, Polyplaxiphora Ducrotay-Blainville
1819, Placophora Ihering 1876)
![]() Käferschnecke. Quelle: Invertébrés Herbivores. |
Käferschnecken kann man vor allem in den Brandungszonen beobachten. Etwa 750 Arten dieser urtümlichen Weichtierklasse sind heute bekannt. Die größte Art ist der amerikanische Cryptochiton stelleri, der mit einer Größe von 33 cm an der amerikanischen Nordwestküste vorkommt.
Käferschnecken sind weder Käfer, noch Schnecken, jedoch kann man sich den Sinn ihres deutschen Namens etwa als Panzerweichtiere vorstellen (Käfer sind von allen Insekten die am besten gepanzerten). Englisch werden die kleinen Mollusken als coat-of-mail shells bezeichnet. Mail bedeutet hier die Panzerung eines Ritters - vergleicht man eine Käferschnecke etwa mit dem gepanzerten Handschuh eines Ritters, so wird deutlich, was gemeint ist.
![]() Käferschnecke (Mopalia porifera). Quelle: Ron Shimek. |
Im Gegensatz zu den höher entwickelten Weichtieren, wie Schnecken, Muscheln und Kahnfüßern besitzen Käferschnecken keine Kalkschale. Stattdessen ist ihre Rückenseite noch wie bei den urtümlichsten Weichtieren von einer harten Cuticula des Mantels geschützt. Im Gegensatz zu den Weichtier-Ahnen verläuft die Cuticula bei den meisten Käferschnecken nur noch am äußeren Rand der Rückenseite, deswegen wird sie auch als Gürtel (Perinotum) bezeichnet. Der Rücken selbst wird von acht ineinander greifenden Schalenplatten aus Kalk geschützt, die der Käferschnecke das charakteristische, an einen Panzerhandschuh erinnernde, Aussehen geben. Bei manchen Käferschnecken wächst der Gürtel auf der Rückenseite zunehmend zusammen, so dass die Schalenplatten teilweise bedeckt werden. Im Gegensatz zu den harten, aus Kalk bestehenden Schalenplatten ist der Gürtel flexibel. Der eingangs erwähnte Cryptochiton stelleri heißt dementsprechend auf Englisch gumboot chiton (Gummistiefel-Chiton). Allgemein bezeichnet Chiton eine Käferschnecke (besonders in englischen Texten). Die wissenschaftliche Bezeichnung Chiton ist aber nur eine unter vielen Gattungsbezeichnungen.
![]() Bauch- und Rückenseite einer Käferschnecke (Placophora). Hellgrau: Gürtel; Dunkelgrau: Schalenplatten; Hellrosa: Mantel; Dunkelrosa: Fuß; Rot: Kiemen. Quelle: Livingstone, Biodidac, weitere Bearbeitung: R. Nordsieck. |
Der Körper der Käferschnecken ist stark an den Lebensraum Brandungszone angepasst. Betrachtet man die Unterseite einer Käferschnecke (kein leichtes Unterfangen, da die kleinen Weichtiere sehr stark am Untergrund haften), so erkennt man den kräftigen Fuß und am vorderen Ende des Käferschnecke die Mundöffnung. Einen deutlichen Kopf, wie ihn die Schnecken haben, besitzen Käferschnecken nicht. Ein chemisches Sinnesorgan unterhalb der Radula, das so genannte Subradularorgan, informiert die Käferschnecke über essbares Material in ihrer unmittelbaren Reichweite.
Ebenso, wie bei anderen Weichtieren, wird die schützende Rückenepidermis als Mantel bezeichnet. Im Gegensatz zu den höheren Weichtieren besitzen Käferschnecken jedoch keine Mantelhöhle. Stattdessen befindet sich zwischen dem Gürtel an der Außenseite und dem Fuß eine Mantelrinne, die U-förmig um den hinteren Teil des Körpers verläuft. In der Mantelrinne stehen zahlreiche hintereinander angeordnete Kiemen - weichtiertypische Ctenidien oder Kammkiemen.
![]() Zwei Käferschnecken (Tonicella insignis und lineata, links) in ihrem natürlichen Lebensraum im Puget Sound (Washington). Quelle: Ron Shimek. |
Typisch für Weichtiere ernähren sich auch die Käferschnecken mit Hilfe ihrer Raspelzunge (Radula). Die weitaus meisten Käferschnecken sind Algen fressende Pflanzenfresser, die auf Steinen und Felsen, aber auch auf Muschelschalen in der Brandungszone grasen. Dabei saugen sich die kleinen Weichtiere mit dem kräftigen Fuß am Untergrund fest, unterstützt durch den Gürtel, der ebenfalls eng an den Untergrund gepresst wird. Die Fortbewegung der Käferschnecken ist daher entsprechend langsam, wenn sie alle Nahrung in ihrer Reichweite abgegrast haben, bewegen sie sich mit einer langsamen Bewegung der Fußsohle (vergleichbar etwa der Fortbewegung mancher Schnecken) weiter, bis ihnen wieder genug Nahrung zur Verfügung steht. Dank der Schalenplatten und einer weichtier-untypischen Längsmuskulatur ("Einrollmuskel") können Käferschnecken sich, wenn sie vom Untergrund abgelöst werden, einrollen, wie eine Assel.
![]() Vorderansicht von Placiphorella rufa, einer räuberischen Käfer- schneckenart. Quelle: "Veiled Chiton" von Kerry L. Werry. |
Eine besondere Anpassung an ihre Lebensweise sind die Lichtsinnesorgane der Käferschnecken. Die so genannten Ästheten befinden sich nämlich in den rückenseitig liegenden Schalenplatten. Sie ermöglichen der Käferschnecke das Unterscheiden von Licht und Schatten auf ihrer Rückenseite. Dadurch kann die Käferschnecke auftauchende Bedrohungen erkennen, ohne den schützenden Gürtel vom Untergrund anheben zu müssen.
Käferschnecken sind größtenteils getrennt geschlechtlich. Die ursprünglich paarigen Gonaden sind meist zu einem unpaarigen Organ mit zwei in die Mantelrinne mündenden Ausführgängen verwachsen. Die Befruchtung findet im Wasser statt. Die Entwicklung der Käferschnecken findet über ein freischwimmendes Trochophora-ähnliches Larvenstadium statt, aus dem sich nach einer Metamorphose ein dem erwachsenen ähnelndes Jungtier entwickelt.
Einige wenige Käferschneckenarten (Placiphorella) sind zu einer räuberischen Ernährungsweise übergegangen. Dazu heben sie den vorderen Teil des Gürtels vom Untergrund ab und lauern auf Beute, vorwiegend kleine Krustentiere. Kleine, tentakelartige Fortsätze des Mantels dienen der Käferschnecke dabei zur Orientierung. Berührt ein Beutetier die Tentakel, so wird der Gürtel an den Untergrund gepresst und das Beutetier gefressen.
Systematik:
Die Klasse Placophora (Ihering 1876, Käferschnecken) wird in drei Ordnungen aufgeteilt, zu denen 13 Familien mit insgesamt ca. 750 rezenten Arten gehören:
Weiterführende Informationen und Links: