"Lateinische" Namen in der Systematik?

Warum sind wissenschaftliche Namen so kompliziert?

Carl v. Linné 1775
Carl v. Linné (1707 - 1778).
 
Wissenschaftliche Namen für systematische Gruppen, wie Arten, Gattungen und Familien, werden immer latinisiert. Sie können aber dennoch aus dem Griechischen stammen, oder sogar aus anderen Sprachen. So ist beispielsweise der Name Oktopus nicht Lateinisch, sondern Griechisch, ebenso wie der Gattungsname der größten Gehäuseschnecke der Welt, Syrinx.

Es wäre also zutreffender, diese Namen "wissenschaftliche Namen" anstatt "lateinische Namen" zu nennen, da sie nicht notwendigerweise Lateinisch sind.

Der Grund liegt darin, dass bis zu Mitte des vergangenen Jahrhundert jeder Studierte (also auch die meisten Wissenschaftler) zumindest Latein und Griechisch beherrschte. Außerdem sind viele, vor allem ältere, wissenschaftliche Arbeiten auf Latein geschrieben worden. Daher wird Linné auch oftmals Linnaeus genannt, die lateinische Version seines schwedischen Namens. Historisch ist es noch gar nicht so lange her, dass Latein als Lingua Franca der Wissenschaft von Englisch abgelöst wurde.

Die meisten Lebewesen haben einen sogenannten Trivialnamen in nahezu jeder Sprache. Allerdings wäre der Dialog zwischen Wissenschaftlern einigermaßen schwierig, selbst wenn sie alle Englsich sprechen. So heißt die Weinbergschnecke beispielsweise auf Englisch Roman snail, auf Französisch Escargot de Bourgogne und auf Russisch виноградная улитка. Wissenschaftlich wird sie jedoch als Helix pomatia bezeichnet: So müssen Wissenschaftler nur einen Namen lernen, ganz gleich woher sie kommen.

Andererseits bezeichnet das englische Wort "whelk" Schnecken aus unterschiedlichen Gruppen, wie z.B. Buccinidae oder Melongenidae. Die wissenschaftlichen Bezeichnungen bleiben also genauer und eindeutiger.

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