Menü aufrufen!

Schließmundschnecken (Clausiliidae)

Komplette Artenliste der Schließmundschnecken (Clausiliidae) für Österreich laut Clecom.

 
Gemeine Schließmundschnecke (Alinda biplicata).
Bild: Jiří Novák, biolib.cz.

Schließmundschnecken sind eine Familie der Landlungenschnecken (Stylommatophora), die man unter anderem an Baumstämmen, Mauern und Felsen beobachten kann, wo sie bei feuchtem Wetter anzutreffen sind. Vom üblichen Bild der rundlich gewundenen Schneckenschale unterscheiden sie sich durch ihr turmartig hoch gewundenes spindelförmiges Gehäuse, das meist 10 Windungen oder mehr aufweist.


Gemeine Schließmundschnecke (Alinda biplicata).
[RN, biolib.cz]
 

Dennoch sind die meisten Schließmundschnecken kleiner als 20 mm, nur die größte einheimische Schließmundschneckenart, Macrogastra ventricosa, die bauchige Schließmundschnecke, erreicht 19 mm Gehäusehöhe. Im Gegensatz dazu ist Clausilia rugosa parvula, ihrem Namen gerecht, die kleinste einheimische Schließmundschnecke und erreicht nur 9,5 mm Gehäusehöhe.

Neben ihrer charakteristischen Schalenform unterscheiden sich die einheimischen Schließmundschneckenarten von den meisten übrigen Schnecken außerdem dadurch, dass ihr Gehäuse links anstatt rechts gewunden ist.

Schließmundschnecken leben von Algen, die sie mit der Radula abraspeln. Wie andere Landlungenschnecken sind sie Zwitter, es gibt allerdings manche Schließmundschneckenarten, die, wie die einheimische Gemeine Schließmundschnecke (Alinda biplicata) ovovivipar sind, d.h. die Eiablage wird so lange verzögert, dass die Jungen im Körper des Muttertiers schlüpfen und dann lebendig zur Welt kommen. Auch besteht die Möglichkeit, dass Eier mit weit entwickelten Embryonen abgelegt werden.

Ihr charakteristisches Gehäuse verschafft den Schließmundschnecken einen entscheidenden Evolutionsvorteil: Sie können sich bei Trockenheit in den kleinsten Ritzen im Gestein oder in der Baumrinde verstecken. Besonders kommt dieser Vorteil in Verbreitungsschwerpunkt der Schließmundschnecken zum Tragen: Obwohl die Familie paläarktisch verbreitet ist, kommen weitaus die meisten Arten auf der Balkanhalbinsel, vor allem in Griechenland, vor, überdies auch in Kleinasien und im Kaukasus-Gebirge.

Äußerlich sind viele Schließmundschneckenarten nur schwer zu unterscheiden. Unter der Lupe oder mit Hilfe eines Binokulars kann man aber erkennen, dass die meisten Arten sich deutlich anhand der Oberflächenskulptur ihres Gehäuses unterscheiden. Während es fast gänzlich glattschalige Schließmundschneckenarten, wie etwa die Glatte Schließmundschnecke (Cochlodina laminata), gibt, zeichnen sich viele der übrigen Schließmundschneckenarten durch ein mehr oder minder stark ausgebildetes Relief quer verlaufender Rippen aus, durch deren Dichte und Form sich unterschiedliche Arten auseinander halten lassen. Wie die eingangs gezeigte Abbildung darstellt, können diese Oberflächenstrukturen aber unter einer Camouflage mit Erde oder Kot verborgen sein.

 
Gemeine Schließmundschnecke (Alinda biplicata).
Bild: Jiří Novák, biolib.cz.

Neben Form und Skulptur des Gehäuses kann auch die Form der Schalenmündung zur Bestimmung herangezogen werden. Man unterscheidet runde, ovale und sogar birnenförmige Mündungen.

Clausilium Parietallamelle Columellarlamelle Mondfalte (Lunella) Palatalfalte Subcolumellarlamelle
Schließapparat (Clausiliar) der Gemeinen Schließ-
mundschnecke (Alinda biplicata).
Bild: Jiří Novák, biolib.cz.
 

Betrachtet man die Mündung einer Schließmundschnecke genauer und bei stärkerer Vergrößerung, so kann man bei vielen Arten eine Mündungsarmatur durch von außen wie Zähnchen erscheinende Falten erkennen. Nach ihrer Lage unterscheidet man dabei drei Hauptfalten: Die Gaumenfalte oder Palatalfalten befinden sich an der Außenseite der Mündungswindung. Gegenüber davon, auf der Spindelseite der Mündungswindung befindet sich die untere oder Columellarfalte. Darüber, am oberen Rand der Mündungswindung, befindet sich die obere oder Parietalfalte. Unterhalb der Columellarfalte kann sich eine weitere Falte, die Subcolumellarfalte, befinden.

Diese Falten (auf der parietal-columellaren Seite auch als Lamellen bezeichnet) sind Bestandteile des Clausiliars, eines innerhalb der Schnecken einzigartigen Schließapparates, der dieser Schneckengruppe ihren ungewöhnlichen Namen Schließmundschnecken eingetragen hat. Den genaueren Aufbau dieses Schließapparates erkennt man jedoch nur, wenn man mit Hilfe einer Pinzette die äußere Wand der Mündungswindung öffnet und unter dem Binokular betrachtet.

Bei den meisten Schließmundschneckenarten findet man dann eine löffelförmige Kalkplatte, deren elastischer Stiel an der Schalenspindel (Columella) ansetzt. Dieses Clausilium wird an die Wand des Gehäuses gedrückt, wenn sich die Schnecke ausgestreckt hat und herum kriecht. Zieht sie sich in ihr Gehäuse zurück, schwingt das Clausilium jedoch dank seines elastischen Stiels nach außen, so dass es die Gehäusemündung verschließt.

Die Bedeutung des Clausiliars für die Evolution der Schließmundschnecken ist nicht völlig geklärt. Man kann jedoch mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass es sich um einen weiteren Schutz gegen Trockenheit handelt, besonders angesichts ihres Verbreitungsschwerpunktes auf dem Balkan und in Kleinasien.

  Schließmundschnecken
Schließmundschnecken (Alinda biplicata?), im Hintergrund ein
Jungtier. [RN]

Wissenschaftlich sind die Schließmundschnecken besonders deswegen von großem Interesse, weil sie auf vergleichsweise engem Raum in großer Artenzahl vorkommen, da einzelne Populationen selbst an einzigen Felsen vorkommen können und durch sonnenexponierte Gebiete isoliert sind, so dass es isolationsbedingt zur allopatrischen Artbildung kommen kann. Zusätzlich kommt es bei nahe verwandten Arten zur Bastardbildung und so zur sympatrischen Artbildung.

Gerade dann reichen Schalenmerkmale und Form des Schließapparates als Bestimmungsmerkmale nicht aus, stattdessen ist eine anatomische Untersuchung des Genitalapparats notwendig.

Angesichts der teilweise sehr kleinräumigen Verbreitung einzelner Arten von Schließmundschnecken kann der menschliche Einfluss sehr große Bedeutung gewinnen, da ähnlich, wie bei Inselpopulationen endemischer Schneckenarten durch Straßenbau, Landwirtschaft und Beeinträchtigung der Umwelt sehr schnell großer und irreversibler Schaden angerichtet werden kann.

Vollständige Artenliste der Schließmundschnecken (Clausiliidae) für Österreich laut Clecom.

Weiterführende Links: