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Glasschnecken (Vitrinidae)


Große Glasschnecke (Phenacolimax major).
 
 

Ohrförmige Glasschnecke (Eucobresia diaphana).
Quelle: KERNEY.
 
 
Alm-Glasschnecke (Eucobresia nivalis), eine alpine
Glasschneckenart. Bild: Helmut Nisters.

Die Glasschnecken gehören zu einer Anzahl von Landschneckenfamilien, bei denen das durchsichtige, hauchdünne Gehäuse bereits eine deutliche Ähnlichkeit mit Nacktschnecken darstellt. Mehrere heimische Glasschneckenarten leben meist am Boden ausreichend feuchter Standorte bis in große Höhen der Gebirge.

Die Gehäuseform unterscheidet sich bei unterschiedlichen Glasschneckenarten besonders in der Größe der letzten Windung im Verhältnis zum übrigen Gewinde. Die kugelige Glasschnecke (Vitrina pellucida) z.B. hat mit drei Schalenwindungen eines der am stärksten gewundenen Gehäuse der Familie, überdies ist die letzte Schalenwindung im Vergleich zum übrigen Gewinde nicht so deutlich erweitert, wie etwa bei der ohrförmigen Glasschnecke (Eucobresia diaphana), deren Schale mindestens eine halbe Windung weniger aufweist und deren letzte Windung deutlich weiter ist als das übrige Gewinde; man spricht von einer ohrförmigen Schale (wie z.B. im Extremfall bei den Meerohrschnecken Haliotidae).

Neben der Schale ist auch der Mantel bei verschiedenen Glasschneckenarten unterschiedlich ausgebildet sein.

 
Ohrförmige Glasschnecke (Eucobresia diaphana).
Bilder: Andreas Heidl, mit freundlicher Genehmigung.
 

Betrachtet man eine lebende Glasschnecke, so stellt man, besonders bei Eucobresia- und Semilimax-Arten (wörtlich Halb-Limax - Limax ist eine Gattung der Nacktschneckenfamilie der Schnegel oder Limacidae), fest, dass der rückenseitige Mantelschild die Schale teilweise überwächst. Zusätzlich bedeckt ein Mantellappen von unterschiedlicher Größe das Schalengewinde, so dass bei manchen Glasschneckenarten die Schale fast völlig vom Mantel bedeckt ist - eine klare Tendenz zur Entstehung einer Nacktschnecke. Die Farbe des Mantels und auch des übrigen Tiers variiert mit dem Lebensraum der Schnecke, so sind in großer Höhe in den Alpen lebende Exemplare von Eucobresia diaphana grau gefärbt, während ihre in tieferen Lagen lebenden Verwandten eher einen schwarzen Körper besitzen.

Die weitere Entwicklung der Glasschnecken kann man sich, vergleicht man unterschiedliche Arten, leicht vorstellen, und tatsächlich leben auf den Azoren Glasschneckenarten (die Gattung Plutonia), deren Schale vom Mantel völlig überwachsen ist.

Nacktschnecken sind im Rahmen der Entwicklungsgeschichte der Landschnecken mehrfach und unabhängig voneinander entstanden. Diesen Entwicklungsweg der Schalenrückbildung bezeichnet man als Vitrinisierung, nach der Familie der Glasschnecken (Vitrinidae), die nur einen der möglichen Wege dieser Strategie beschritten hat.

Systematisch werden die Glasschnecken in die Nähe der räuberischen Glanzschnecken (Zonitidae), Daudebardien (Daudebardiidae) und der Kielnacktschnecken (Milacidae) gestellt.

Vollständige Artenliste für Österreich:
Quelle: Clecom, Stand Jänner 2008)

Vitrinidae Fitzinger, 1833

Vitrininae Fitzinger, 1833

Semilimax Stabile, 1859

Semilimax semilimax (J. Férussac, 1802)
Semilimax carinthiacus (Westerlund, 1886)
Semilimax kotulae (Westerlund, 1883)

Semilimacella Soós, 1917

Semilimacella carniolica (O. Boettger, 1884)

Vitrinobrachium Künkel, 1929

Vitrinobrachium breve (A. Férussac, 1821)

Eucobresia H.B. Baker, 1929

Eucobresia diaphana (Draparnaud, 1805)
Eucobresia nivalis (Dumont & Mortillet, 1854)
Eucobresia pegorarii (Pollonera, 1884)
Eucobresia glacialis (Forbes, 1837)

Vitrina Draparnaud, 1801

Vitrina pellucida (O.F. Müller, 1774)

Plutoniinae T. Cockerell, 1893

Oligolimax P. Fischer, 1878

Oligolimax annularis (S. Studer, 1820)