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Nacktschnecken

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Eine Wegschnecke (Arion rufus ?) im Wald.
Bild: Robert Nordsieck.
 
 
Schwarzer Schnegel (Limax cinereoniger, im Vordergrund) und
Wegschnecke (Arion cf. vulgaris). Bild: Robert Nordsieck.

Als Nacktschnecken bezeichnet man landläufig vor allem Landschnecken ohne Schale. Die Reduktion einer äußeren Schale kommt aber nicht nur bei Landschnecken vor. Auch im Meer lebende Schneckengruppen, wie die Gruppe der Nacktkiemer (Nudibranchia), kommen ohne Schale aus.

Nach einem Regen kann man bei uns oft die großen schwarzen Wegschnecken antreffen, viele ihrer kleineren Verwandten kriechen im Gebüsch und zu unserem Leidwesen auch im Garten herum. Welchen Vorteil hat es für diese Tiere, dass sie keine Schale mehr besitzen, die bei allen anderen Landschnecken doch den wichtigsten Schutz darstellt?

Eine allmähliche Schalenreduktion kann man heute noch bei einigen Schneckenfamilien beobachten. Die Familie der Glasschnecken (Vitrinidae) zeichnet sich z.B. durch ein sehr dünnschaliges Gehäuse, dessen Wand durchscheinend glasartig ist und so zur Bezeichnung Glasschnecken geführt hat. Bei den Arten, die zu dieser Familie gehören, kann man eine Rückbildung der Schale in unterschiedlichem Ausmaß erkennen.

Eines ist aber allen Arten gemeinsam: Ein großer Mantelschild bedeckt den vorderen Bereich der Schale, während ein Mantellappen von vorne her das Gewinde der Schale bedeckt. Einige Glasschneckenarten haben eine Schale, deren Gewinde stark verkleinert und deren letzte Windung ohrförmig erweitert ist. Eine weiter entwickelte Schalenreduktion dieser Tendenz folgend würde bedeuten, dass der Mantelschild von vorne und von der Seite die zu einem Rest reduzierte Schale völlig überwächst. Diesen Zustand findet man bei den Schnegeln (Limacidae) und Kielschnegeln (Milacidae). Beide Gruppen haben unter dem Mantelschild noch einen Schalenrest. Im Gegensatz dazu sind den Wegschnecken (Arionidae) von der Schale ihrer Vorfahren nur mehr nur mehr einige Kalkkörnchen übrig geblieben.

 
Wegschnecke (Arion cf. vulgaris)
seilt sich an einem Schleimfaden ab.
Bild: Knut Riegel.
Gehäuseschnecke und Rucksackschnecke

Ebenfalls eine starke Schalenreduktion hat bei verschiedene Raubschneckengruppen statt gefunden. Die Daudebardiinae sind z.B. eine Familie unterirdisch lebender Raubschnecken, die von Regenwürmern leben, die sie mit der Radula fangen und anschließend lebendig verschlingen. Der Übergang zu einer vorwiegend unterirdischen Lebensweise verlangte die Reduktion der hinderlichen Schale. Und so besitzen die Daudebardien nur noch eine kleine Schale mit einer glasartig durchsichtigen Wand, die einer stark reduzierten Glasschneckenschale ähnelt. Ähnliche Verhältnisse herrschen bei den Rucksackschnecken (Testacellidae), deren Lebensweise ebenfalls unterirdisch ist.

Beim Vergleich unterschiedlicher Nacktschneckengruppen stellt sich unweigerlich die Frage danach, auf welche Weise gehäuselose Landschnecken überleben konnten, ohne von einer Schale geschützt zu sein. Den Gehäuseschnecken dient die Schale vor allem als Schutz gegen Austrocknung und gegen Fressfeinde, allerdings fällt es den meisten Schnecken fressenden Tieren nicht schwer, die Schneckenschale zu zertrümmern, um an den Inhalt zu gelangen.

Der äußere Schutz der Nacktschnecken findet vor allem durch einen besonders klebrigen Schleim statt, mit dem der ganze Körper bedeckt ist, und der überdies wasserbindend (hygroskopisch) wirkt. Zusätzlich schmeckt er sehr widerlich, wie der Heimatdichter Hermann Löns in seiner Geschichte "Ein ekliges Tier" so anschaulich beschrieben im Selbstversuch getestet hat.

Nacktschnecken können, wenn sie angegriffen werden, ihren Körper zusammenziehen. Durch den Gegendruck des Blutes wird der Körper hart und widerstandsfähig, zusammen mit dem widerlichen Schleim ein Hindernis für viele Tiere, die ansonsten gerne Schnecken fressen.

 
Nacktschnecke (Arionidae) seilt sich an einem eigenen Schleimfaden ab.
Rechts: Detailbild. Bild: Andreas Heidl.
 

Manche Nacktschneckenarten nutzen ihren zähen Schleim nicht nur zum Schutz, sondern auch bei der Vermehrung. Der fast artistische Paarungsakt einiger Schnegelarten (z.B. Limax maximus) beinhaltet das gemeinsame Abseilen von einem Felsen oder Ast und die Paarung in freier Luft. Manche Nacktschneckenarten seilen sich auch mit einem Schleimfaden von einem Ast ab, um den Boden oder einen tiefer liegenden Ast zu erreichen.

Viele Nacktschnecken überwintern nicht, wie andere Landschnecken, sondern sterben im Herbst ab. Ihre im Herbst gelegten Eier überleben allerdings die kalten Fröste und im Frühjahr schlüpft die nächste Nacktschneckengeneration. So sind, wenn Ende Herbst die Vegetationsdecke zurückgeht, keine Nacktschnecken zu finden, im Frühjahr kehren sie aber immer wieder zurück. Andere Arten verbringen den Winter tief genug versteckt im Erdboden, dass sie vom Frost geschützt sind.

Die meisten großen Nacktschneckenarten fressen fast alles, man findet sie im Salat, aber auch an toten Regenwürmern und anderen Opfern des Straßenverkehrs. Waldlebende Arten, wie der schwarze Schnegel (Limax cinereoniger) fressen besonders gern an Pilzen, die Fraßspuren ihrer Raspelzungen kann man dann beim Pilze sammeln entdecken.

Einige Nacktschnecken sind Allesfresser, sie fressen sogar andere Schnecken.

Nacktschneckenarten gibt es weltweit, besonders in vegetationsreichen Gebieten, wie Wald, Gebüsche und Gärten. In Europa unterscheidet man vor allem die großen Wegschnecken (Arionidae) und Schnegel (Limacidae, deren größter Vertreter, Limax cinereoniger, über 20 cm lang werden kann), sowie ihre kleineren Verwandten Kielschnegel (Milacidae) und Kleinschnegel (Agriolimacidae).

Heimische Nacktschnecken.

 
Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum).
Bild: Robert Nordsieck.

Gartenschädlinge sind besonders die aus Spanien und Portugal eingewanderte Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris), die Gartenwegschnecke (Arion hortensis), sowie mehrere Ackerschneckenarten (Deroceras reticulatum).

Bekannte amerikanische Nacktschnecken sind die so genannte Bananenschnecke (Ariolimax columbianus), das Maskottchen der Universität von Santa Cruz (bekannt geworden durch das T-Shirt von John Travolta im Film "Pulp Fiction"), und das Florida Leatherleaf (Leidyula floridana). Zusätzlich sind aber auch in Amerika, zum Leidwesen der dortigen Agrarwirtschaft, einige Nacktschneckenarten aus Europa eingeschleppt worden.

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