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Schnecken - der Gartenschreck |
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![]() Auf leisen Sohlen fallen die gefräßigen Nacktschnecken im Garten ein, der Schrecken eines jeden Gartenliebhabers. Bild: Robert Nordsieck. |
Was also tun? Die meisten Gärtner kennen keine Gnade und schwingen die chemische Keule. Mit allen Mitteln versuchen sie, den schleimigen Besuchern beizukommen, so zum Beispiel durch Zerhacken mit dem Spaten, Vergiften mit Schneckenkorn, Bestreuen mit Salz oder Kaffeepulver - alles sehr barbarische Methoden, wenn man es recht betrachtet.
In zunehmendem Maße werden aber Bio-Gärten modern, die nicht, wie mit dem Lineal gezogen ordentlich aussehen, die aber viel mehr biologische Vielfalt zulassen. Und - oh Wunder - wenn man der Natur ihren Lauf lässt, löst sich das Problem (fast) von selbst.
Ein besonders lästiger Vertreter der schleimigen Salatfresserkonkurrenz ist natürlich die so genannte Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris). Der deutsche Trivialname stammt noch aus jener Zeit, als man annahm, diese Schneckenart sei aus Portugal oder Spanien nach Mittleuropa eingewandert. Heute geht man hingegen eher davon aus, dass es sich um das Ergebnis einer Mutation oder Hybridisierung einheimischer Schneckenarten handelt, die einheimische Nacktschneckenarten durch überlegene Fortpflanzungserfolge und weitere Hybridisierung aus dem Feld gedrängt hat. Zusätzlich zeichnet sie sich dadurch aus, dass sie auf Futtersuche weite Wege zurücklegt und in solchen Zahlen vorkommt, dass sie zu einem echten Schädling wird.
Auch andere Nacktschnecken, wie die Ackerschnecke (Deroceras reticulatum), die Gartenwegschnecke (Arion hortensis) und einige Gehäuseschneckenarten können den Ertrag aus dem heimischen Salatbeet auf ein Minimum reduzieren.
Die Natur kennt zahlreiche Mittel, die schleimigen Grünzeugfresser in ihrer
Zahl zu begrenzen. Zunächst einmal stellen viele Tiere den Kriechern nach: Die
Reihe umfasst neben Igel, Blindschleiche und Erdkröte auch Spitzmäuse und den
Maulwurf (
siehe dazu:
Feinde der Landschnecken).
![]() Igel (Erinaceus europaeus) fressen auch Wegschnecken und werden so zu einem wertvollen Verbündeten. Wenn der Gar- ten ihnen Lebensraum bietet. Bild: Claudia Hahler. |
![]() Ein echter Gartenschädling, wenn auch ein kleiner: Deroce- ras agreste, die Graue Ackerschnecke. Bild: Robert Nordsieck. |
Glücklicherweise gibt es einige ökologisch vertretbare Methoden, das Schneckenproblem einzudämmen. Dazu gehört nicht, Gift auszubringen - Gift wirkt unselektiv und vergiftet alles, was nicht immun ist (einschließlich des Gärtners übrigens - ein Gedanke, den man sich mal durch den Kopf gehen lassen sollte).
Um Schnecken bekämpfen zu können, sollte man den Feind kennen, den man bekämpfen will. Nacktschnecken haben meist einen Ruheplatz an geeigneter geschützter Stelle, von dem sie abends an den Nahrungsplatz wandern. Folglich gilt es, den Weg zwischen Schlafplatz und Fressplatz zu versperren. Dies geschieht am besten durch einen Schneckenzaun (Blech, tief eingegraben, mit gebogener Kante, die auch die hartnäckigsten Kletterer abschreckt). Es sei darauf hingewiesen, dass ein Maschendrahtzaun zwar gegen Schalenschnecken schützt, die darüber hinweg kriechen müssen, aber nicht gegen Nacktschnecken, die sich hindurchzwängen können (deswegen sind es Nacktschnecken!). Es ist übrigens weise, darauf zu achten, dass nicht überhängende Pflanzenteile der Schnecke eine natürliche Brücke über den Schneckenzaun bieten.
Schnecken mögen es feucht und sind vor allem abends aktiv. Folglich sollte man die Pflanzen nur einzeln gießen, so dass jeweils eine trockene Stelle dazwischen bleibt und vor allem erst morgens gießen, nicht abends, was für alle Schnecken der näheren Umgebung wie eine Einladung wirkt. Hilfreich kann auch sein, das Beet mit Sägemehl zu umgeben. Auf dieser trockenen Strecke bleiben die Schnecken eben - auf der Strecke.
![]() Schneckenzaun. Die gebogene gezackte Kante soll es den Schnecken zusätzlich erschweren, den Zaun zu überwinden. Bild: Thomas Lohrer. |
Das hilft natürlich alles nichts, wenn man die Schnecken nicht los wird. Dazu muss man sie finden und absammeln. Das geht wiederum am leichtesten, wenn man den Schnecken einen Grund gibt, sich an einem Ort zu versammeln: Also ein alternatives Nahrungsangebot, zum Beispiel Kleie oder Haferflocken oder Bierfallen. Andererseits muss man sich zuvor Gedanken machen, was nachher mit den abgesammelten Schnecken anzufangen ist. Setzt man sie aus, so sollte dies in einem ausreichend großen Abstand zum nächsten Garten statt finden (über die maximale Wanderleistung der Spanischen Wegschnecke ist nur wenig sichere Information vorhanden), aber dennoch in einem geeigneten Lebensraum geschehen.
Will man die abgesammelten Schnecken abtöten, so kann man dies für die Tiere schmerzfrei in einem Plastikbeutel im Gefrierfach tun und die toten Schnecken anschließend auf dem Komposthaufen wieder dem Kreislauf der Natur zuführen.
![]() Erdkröte (Bufo bufo), Jungtier frisch nach der Metamorphose. |
![]() Erwachsene Erdkröte (Bufo bufo). Bilder: Robert Nordsieck. |
Naturbelassene Gärten sind nicht nur ein Schutzraum für ansonsten selten gewordene Lebensräume. Sie können auch ein Zuhause für Kröten, Blindschleichen, Igel und Maulwürfe werden und so dem Gärtner wertvolle Alliierte im Kampf gegen die Nacktschneckenplage liefern. Aber erstens handelt man sich wegen der Maulwürfe Ärger mit dem Nachbarn ein, zweitens sind diese Tiere alle so selten geworden, dass man sie wohl nicht unbedingt im eigenen Garten finden wird, so schön das auch wäre.
An Haustieren sind vor allem Hühner- und Entervögel als Schneckenfresser bekannt. Die Laufenten fressen vor allem Nacktschnecken, die sie ins Wasser tragen und anschließend verschlingen.
![]() Laufenten. Schon die Jungtiere fressen gern Schnecken, selbst die großen Nacktschnecken, so lange sie über eine geeignete Wasser- quelle verfügen, um den Schleim zu bewältigen. Bild: Robert Nordsieck. |
![]() Das Lebermoos Porella obtusata. Bild: Niklas Lönnel. Quelle: British Bryological Society. |
Zusätzlich zu den geschilderten Maßnahmen gibt es so viele Ideen, wie Gärten, welche Pflanzen Schnecken abschrecken würden. Während der eine Gärtner auf Kamille zum Abschrecken von Nacktschecken schwört, berichtet der nächste, dass "seine" Nacktschnecken gerade auf Kamille stehen. Hier ist also eigene Versuchsfreudigkeit gefragt.
Die Entdeckung, dass Lebermoose (Marchantiophyta) und Laubmoose (Bryophyta) wirksame Abwehrstoffe gegen Schnecken enthalten, entbindet den Gärtner weitgehend von der Notwendigkeit, Gift zu streuen. Der Bonner Professor Jan Peter Frahm hat heraus gefunden, dass Moose sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, die Schnecken abwehren, aber nicht töten. Untersucht wurden das Laubmoos Neckera crispa und das Lebermoos Porella obtusata. In einer alkoholischen Lösung besaßen beide stark fraßhemmende Wirkung, das Lebermoos, etwa zehnmal so wirksam wie das Laubmoos, zeigte eine deutliche Fraßhemmung bei spanischen Wegschnecken (Arion vulgaris) selbst bei einer Konzentration von 0,25%.
Moosextrakte für die Anwendung im Garten sind heute im Handel erhältlich.
Zusammenfassend möchte ich der Hoffnung Ausdruck verleihen, der Leser möge verstanden haben, dass es nicht nötig ist, die Umwelt zu vergiften, nur um einige Schnecken loszuwerden. Ein Garten, der im Einklang mit der Natur bleibt, ist erheblich weniger anfällig gegen Schnecken, als ein künstlicher Garten und sieht außerdem viel schöner aus.
Letzte Änderung: 12.07.2026 (Robert Nordsieck).