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Schnecken - der Gartenschreck

 
Auf leisen Sohlen fallen die gefräßigen Nacktschnecken im Gar-
ten ein, der Schrecken eines jeden Gartenliebhabers.
Bild: Robert Nordsieck.

Das Wissen der meisten Menschen über Schnecken beschränkt sich darauf, dass man sie essen kann, und dass sie im Garten zur Plage werden können. Zur Ehrenrettung der Schnecken muss man dazu allerdings sagen, dass Gärten für Schnecken ungefähr so viel Anziehungskraft besitzen, wie der Dorfgasthof am Sonntagmorgen nach der Kirche. Gärten bieten den Schnecken einen reichen Vorrat nahrhafter Pflanzen, der Boden ist immer gut gewässert und gelockert, so dass die Tiere ihre Eier legen können. Es ist das schlichte Paradies.

Was also tun? Die meisten Gärtner kennen keine Gnade und schwingen die chemische Keule. Mit allen Mitteln versuchen sie, den schleimigen Besuchern beizukommen, so zum Beispiel durch Zerhacken mit dem Spaten, Vergiften mit Schneckenkorn, Bestreuen mit Salz oder Kaffeepulver - alles sehr barbarische Methoden, wenn man es recht betrachtet.

In zunehmendem Maße werden aber Bio-Gärten modern, die nicht, wie mit dem Lineal gezogen ordentlich aussehen, die aber viel mehr biologische Vielfalt zulassen. Und - oh Wunder - wenn man der Natur ihren Lauf lässt, löst sich das Problem (fast) von selbst.

Natürlich: Ein besonders lästiger Vertreter der schleimigen Salatfresserkonkurrenz ist Arion vulgaris, die Spanische Wegschnecke, die, nachdem sie von der Iberischen Halbinsel eingeschleppt worden war, die einheimischen Nacktschnecken durch überlegene Fortpflanzungserfolge aus dem Feld gedrängt hat und sich dadurch auszeichnet, dass sie auf Futtersuche weite Wege zurücklegt und in solchen Zahlen vorkommt, dass sie zu einem echten Schädling wird. Auch andere Nacktschnecken, wie die Ackerschnecke (Deroceras reticulatum), die Gartenwegschnecke (Arion hortensis) und einige Gehäuseschneckenarten können den Ertrag aus dem heimischen Salatbeet auf ein Minimum reduzieren.

Die Natur kennt zahlreiche Mittel, die schleimigen Grünzeugfresser in ihrer Zahl zu begrenzen. Zunächst einmal stellen viele Tiere den Kriechern nach: Die Reihe umfasst neben Igel, Blindschleiche und Erdkröte auch Spitzmäuse und den Maulwurf. ( siehe dazu: Feinde der Landschnecken).


Igel (Erinaceus europaeus) fressen auch Wegschnecken und
werden so zu einem wertvollen Verbündeten. Wenn der Gar-
ten ihnen Lebensraum bietet. Bild: Claudia Hahler.
 
 
Ein echter Gartenschädling, wenn auch ein kleiner: Deroceras
reticulatum
, die Genetzte Ackerschnecke.
Bild: Robert Nordsieck.

All diese Schnecken fressenden Vertreter der heimischen Fauna sind aus dem Bilderbuchgarten ebenso verbannt, wie die Schnecken. Maulwürfe machen unansehnliche Hügel, die Erdkröte wurde auf der nahe liegenden Straße überfahren, und sind wir ehrlich: Wer hat schon einmal eine Blindschleiche gesehen? Das Problem ist: Die meisten Kulturflächen machen es der Natur unmöglich, sich selbst zu regulieren. Das schreit natürlich nach einer Invasion von Schädlingen, die sich nicht regulieren lassen und gegen die man dann das chemische Waffenarsenal der modernen Landwirtschaft aufbieten muss. Oder doch nicht?

Glücklicherweise gibt es einige ökologisch vertretbare Methoden, das Schneckenproblem einzudämmen. Dazu gehört nicht, Gift auszubringen - Gift wirkt unselektiv und vergiftet alles, was nicht immun ist (einschließlich des Gärtners übrigens - ein Gedanke, den man sich mal durch den Kopf gehen lassen sollte).

Um Schnecken bekämpfen zu können, sollte man den Feind kennen, den man bekämpfen will. Nacktschnecken haben meist einen Ruheplatz an geeigneter geschützter Stelle, von dem sie abends an den Nahrungsplatz wandern. Folglich gilt es, den Weg zwischen Schlafplatz und Fressplatz zu versperren. Dies geschieht am besten durch einen Schneckenzaun (Blech, tief eingegraben, mit gebogener Kante, die auch die hartnäckigsten Kletterer abschreckt). Es sei darauf hingewiesen, dass ein Maschendrahtzaun zwar gegen Schalenschnecken schützt, die darüber hinweg kriechen müssen, aber nicht gegen Nacktschnecken, die sich hindurchzwängen können (deswegen sind es Nacktschnecken!). Es ist übrigens weise, darauf zu achten, dass nicht überhängende Pflanzenteile der Schnecke eine natürliche Brücke über den Schneckenzaun bieten.

Schnecken mögen es feucht und sind vor allem abends aktiv. Folglich sollte man die Pflanzen nur einzeln gießen, so dass jeweils eine trockene Stelle dazwischen bleibt und vor allem erst morgens gießen, nicht abends, was für alle Schnecken der näheren Umgebung wie eine Einladung wirkt. Hilfreich kann auch sein, das Beet mit Sägemehl zu umgeben. Auf dieser trockenen Strecke bleiben die Schnecken eben - auf der Strecke.

 
Schneckenzaun. Die gebogene gezackte Kante soll es den Schnecken
zusätzlich erschweren, den Zaun zu überwinden. Bild: Thomas Lohrer.

Was die Behandlung des Bodens anbelangt: Hacken im Herbst ist out. Schnecken legen im Herbst ihre Eier und verstecken sich anschließend im Erdboden, um zu überwintern. Ein frisch aufgehackter Boden macht es ihnen natürlich um so leichter. Andererseits ist Hacken im Frühjahr angesagt, denn dadurch kann man einige Gelege zerstören, aus denen schon mal keine neuen Schnecken schlüpfen werden.

Das hilft natürlich alles nichts, wenn man die Schnecken nicht los wird. Dazu muss man sie finden und absammeln. Das geht wiederum am leichtesten, wenn man den Schnecken einen Grund gibt, sich an einem Ort zu versammeln: Also ein alternatives Nahrungsangebot, zum Beispiel Kleie oder Haferflocken oder Bierfallen. Andererseits muss man sich zuvor Gedanken machen, was nachher mit den abgesammelten Schnecken anzufangen ist. Setzt man sie aus, so sollte dies in einem ausreichend großen Abstand zum nächsten Garten statt finden (über die maximale Wanderleistung der Spanischen Wegschnecke ist nur wenig sichere Information vorhanden), aber dennoch in einem geeigneten Lebensraum geschehen.

Will man die abgesammelten Schnecken abtöten, so kann man dies für die Tiere schmerzfrei in einem Plastikbeutel im Gefrierfach tun und die toten Schnecken anschließend auf dem Komposthaufen wieder dem Kreislauf der Natur zuführen.


Erdkröte (Bufo bufo), Jungtier frisch nach der Metamorphose.
Bilder: Robert Nordsieck.
 
Erwachsene Erdkröte (Bufo bufo).
 

Schnecken, ebenso, wie manche menschlichen Zeitgenossen, können Bier nicht widerstehen und schlafen gleich vor Ort ein, wo sie eingesammelt werden können. Ähnlich wie das alternative Nahrungsangebot wirken auch Balken, die, ins Gras gelegt, den Schnecken als Versteck dienen können. Morgens braucht man sie dann nur noch von der Unterseite des Balkens abzusammeln. Bedenken sollte man aber auch, dass die Bierfallen möglicherweise auch gleich die Schnecken der Nachbarn aus ungeahntem Radius anlocken - potentielle Möglichkeiten zur nachbarlichen Kooperation sind natürlich nicht von der Hand zu weisen.

Naturbelassene Gärten sind nicht nur ein Schutzraum für ansonsten selten gewordene Lebensräume. Sie können auch ein Zuhause für Kröten, Blindschleichen, Igel und Maulwürfe werden und so dem Gärtner wertvolle Alliierte im Kampf gegen die Nacktschneckenplage liefern. Aber erstens handelt man sich wegen der Maulwürfe Ärger mit dem Nachbarn ein, zweitens sind diese Tiere alle so selten geworden, dass man sie wohl nicht unbedingt im eigenen Garten finden wird, so schön das auch wäre.

An Haustieren sind vor allem Hühner- und Entervögel als Schneckenfresser bekannt. Die Laufenten fressen vor allem Nacktschnecken, die sie ins Wasser tragen und anschließend verschlingen.

 
Laufenten. Schon die Jungtiere fressen gern Schnecken, selbst die
großen Nacktschnecken, so lange sie über eine geeignete Wasser-
quelle verfügen, um den Schleim zu bewältigen.
Bild: Robert Nordsieck.

In Österreich gibt es mehrere Umweltprojekte, die sich mit Laufenten beschäftigen. Mit einem Umweltpreis ausgezeichnet worden ist die Idee "Rent an Ent" (dieses Englisch...!). Ein Paar Laufenten kann einen Garten schneckenfrei halten. Durch den Verleih von Laufenten lässt sich sogar ein kleines Zubrot verdienen. Andererseits ist gerade bei Laufenten dringend zu bedenken, dass die Tiere auch nach getaner Arbeit ausreichend Auslauf mit Unterschlupf und Schutz gegen Füchse, Hunde und Katzen brauchen. Zusätzlich benötigen die Tiere ein geeignetes Gartengewässer, sonst können sie an den dicken Nacktschnecken ersticken, besonders junge Tiere sind dagegen anfällig.


Das Lebermoos Porella obtusata. Bild: Niklas Lönnel.
Quelle: British Bryological Society.
 

Zusätzlich zu den geschilderten Maßnahmen gibt es so viele Ideen, wie Gärten, welche Pflanzen Schnecken abschrecken würden. Während der eine Gärtner auf Kamille zum Abschrecken von Nacktschecken schwört, berichtet der nächste, dass "seine" Nacktschnecken gerade auf Kamille stehen. Hier ist also eigene Versuchsfreudigkeit gefragt.

Die Entdeckung, dass Lebermoose (Marchantiophyta) und Laubmoose (Bryophyta) wirksame Abwehrstoffe gegen Schnecken enthalten, entbindet den Gärtner weitgehend von der Notwendigkeit, Gift zu streuen. Der Bonner Professor Jan Peter Frahm hat heraus gefunden, dass Moose sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, die Schnecken abwehren, aber nicht töten. Untersucht wurden das Laubmoos Neckera crispa und das Lebermoos Porella obtusata. In einer alkoholischen Lösung besaßen beide stark fraßhemmende Wirkung, das Lebermoos, etwa zehnmal so wirksam wie das Laubmoos, zeigte eine deutliche Fraßhemmung bei spanischen Wegschnecken (Arion vulgaris) selbst bei einer Konzentration von 0,25%.

Moosextrakte für die Anwendung im Garten sind inzwischen im Handel erhältlich.

Zusammenfassend möchte ich der Hoffnung Ausdruck verleihen, der Leser möge verstanden haben, dass es nicht nötig ist, die Umwelt zu vergiften, nur um einige Schnecken loszuwerden. Ein Garten, der im Einklang mit der Natur bleibt, ist erheblich weniger anfällig gegen Schnecken, als ein künstlicher Garten und sieht außerdem viel schöner aus.

Weiterführende Informationen

Graber, C., Suter, H.: "Schneckenbekämpfung ohne Gift" - Kosmos-Verlag Stuttgart, 1999. Buchbesprechung
Calvin Jones: "Slugs"
Universum DVD: "Natur im Garten - die "nackte" Wahrheit", mit Erwin Steinhauer und Alfred Dorfer.

Moosextrakt

Frahm, J.-P.; Kirchhoff, K. (2002): Antifeeding effects of bryophyte extracts from Neckera crispa and Porella obtusata against the slug Arion lusitanicus. -- Cryptogamie, Bryologie, 23 (3): 271-275.
Schneckenprofi.de: Lebermoos gegen Schnecken.

Laufenten

Laufenten (laufenten.de).
Laufenten (laufis.de).

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