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![]() Bernsteinschnecken. [RN] |
![]() Bernsteinschnecken werden nur wenig über 1 cm groß. [RN] |
Von allen Landlungenschnecken (Stylommatophora) leben die Bernsteinschnecken (Succineidae) dem Wasser wohl am nächsten. Das hat ihnen den Ruf eingebracht, amphibisch zu leben, der jedoch unzutreffend ist. Bernsteinschnecken leben nur unter anderem auf Pflanzen, die nahe am oder im Wasser wachsen.
Ihren Namen haben die Bernsteinschnecken von der bernsteinartig goldenen Farbe ihre glasartig dünnwandigen Gehäuses, das für den Körper fast zu klein erscheint. Die letzte Windung überwiegt bei weitem das winzige übrige Gewinde. Der Mundsaum eines Bernsteinschneckengehäuses ist scharf und bildet keine Mündungslippe. Ähnlich, wie bei den Glasschnecken (Vitrinidae), kommt es bei manchen Untergruppen der weltweit verbreiteten Bernsteinschnecken zu einer Vitrinisierung unterschiedlichen Grades: Es gibt in diesen Gruppen sowohl Halbnacktschnecken, als auch Nacktschnecken.
Wie der Malakologe Geyer schon 1929 schrieb, ähneln die einheimischen Bernsteinschnecken äußerlich weitläufig den wasserlebenden Schlammschnecken (Lymnaeidae). Ähnlich wie diese sind sie teilweise nur sehr schwer zu unterscheiden, da verschiedene Populationen, teilweise erblich, sehr unterschiedlich große Schnecken hervorbringen können.
Wie alle anderen Landlungenschnecken sind auch die Bernsteinschnecken Zwitter. Sie werden etwa bei Erreichen der halben Gehäusegröße geschlechtsreif. Obwohl die Samenzellen vor den Eizellen reifen, kann es, (im Gegensatz z.B. zur Weinbergschnecke), neben der herkömmlichen wechselseitigen Befruchtung auch zur Selbstbefruchtung kommen, die jedoch ausschließlich der Vermehrung dient. Die heimischen Gattungen Succinea und Oxyloma legen anschließend ungefähr 150 Eier, aus denen nach 1 - 2 Wochen die Jungschnecken schlüpfen. Bernsteinschnecken können bis zu 2 Jahre alt werden.
![]() Bernsteinschnecke [RN]. |
Ihre wassernahe Lebensweise macht Bernsteinschnecken zu einem geeigneten Zwischenwirt für parasitische Saugwürmer (Trematoda), deren Larvenstadium (Miracidium) im Wasser lebt, deren Endwirt aber ein Warmblüter, ein Vogel oder ein Säugetier, ist.
Ein besonderes Beispiel ist der Saugwurm Leucochloridium paradoxum, als Endwirt ein Darmparasit bei Singvögeln.
![]() Bernsteinschnecke mit Sporocystenschläuchen von Leucochlo- ridium spec. Bild: Christian Fuchs [1]. |
Als Wimperlarve (Miracidium) befällt er eine Bernsteinschnecke, in deren Leber sich die Miracidien zur nächsten Larvengeneration, den so genannten Cercarien, verwandeln. Diese sammeln sich in langen Sporocystenschläuchen. Auch als Fühlermaden bezeichnet, erstrecken sich die Sporocystenschläuche bis in die Fühler der Bernsteinschnecke, die dadurch unförmig anschwellen und nicht mehr eingezogen werden können. Zusätzlich wird das Verhalten der Schnecke kontrolliert, die entgegen ihrer natürlichen Gewohnheit ins Offene kriecht und ungeschützt sitzen bleibt. Die im Inneren der Fühler pulsierenden Sporocystenschläuche locken Vögel an, die den Fühler der Schnecke abreißen. Auf diese Weise gelingt es den Cercarien des Saugwurmes schließlich, ihren Endwirt zu infizieren.
Im Darm des Vogels entwickelt sich schließlich aus der Cercarie der fertige Saugwurm und pflanzt sich auf sexuellem Weg fort. Mit dem Kot des Vogels werden die Eier verbreitet und die schlüpfenden Miracidien können auf wassernahen Pflanzen wieder Bernsteinschnecken befallen.